Woran Sie betrügerische Online-Shops vor der Bestellung erkennen, wie Sie Impressum, Siegel und Zahlwege prüfen und was nach einer Zahlung noch zu retten ist.
Der Grill zum halben Preis, die Marken-Sneaker mit 70 % Rabatt, das ausverkaufte Konsolen-Bundle "sofort lieferbar": Fake-Shops locken mit genau den Angeboten, nach denen gerade viele suchen. Die Seiten sehen heute täuschend professionell aus, oft mit kopierten Produktbildern, erfundenen Bewertungen und gestohlenen Identitäten echter Firmen. Wer per Vorkasse zahlt, sieht sein Geld meist nicht wieder. Mit ein paar Minuten Prüfung vor der Bestellung lässt sich das Risiko drastisch senken.
Prüfen Sie vor jeder Bestellung in einem unbekannten Shop fünf Dinge: Gibt es ein vollständiges Impressum mit ladungsfähiger Anschrift (§ 5 DDG)? Ist der Preis realistisch oder deutlich zu gut, um wahr zu sein? Welche Zahlarten gibt es wirklich, bleibt am Ende nur Vorkasse per Überweisung übrig? Sind Gütesiegel echt, also anklickbar und beim Siegelbetreiber hinterlegt? Und was sagt der kostenlose Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale zur Shop-Adresse? Fällt einer dieser Punkte durch, bestellen Sie nicht. Haben Sie schon gezahlt, kontaktieren Sie sofort Ihre Bank und erstatten Sie Anzeige.
Jeder geschäftsmäßige Online-Shop, der sich an Kunden in Deutschland richtet, muss ein Impressum haben: Name des Anbieters, ladungsfähige Anschrift (ein Postfach genügt nicht), E-Mail-Adresse, bei Kapitalgesellschaften Rechtsform, Vertretungsberechtigte und Handelsregisternummer sowie in der Regel die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (§ 5 DDG, früher § 5 TMG). Fehlt das Impressum ganz, ist der Fall klar. Häufiger ist die subtilere Variante: das Impressum existiert, ist aber kopiert oder erfunden.
So prüfen Sie es: suchen Sie die angegebene Firma im Handelsregister (handelsregister.de, kostenlos einsehbar) und geben Sie die Adresse in eine Kartensuche ein. Steht dort ein Wohnhaus statt eines Gewerbes? Existiert die Firma, hat aber laut eigener Website einen ganz anderen Shop? Beides sind starke Warnsignale. Prüfen Sie auch die Domain: Fake-Shops nutzen gern Namen mit angehängten Zusätzen wie "-outlet", "-sale" oder ungewöhnliche Endungen, und die Domain ist oft erst wenige Wochen alt.
Vergleichen Sie den Preis über eine Preissuchmaschine. Liegt ein unbekannter Shop 30, 50 oder 70 % unter allen etablierten Anbietern, besonders bei begehrter oder ausverkaufter Ware, ist das kein Schnäppchen, sondern der Köder. Seriöse Händler können dauerhaft nicht dramatisch billiger sein als der gesamte Markt. Misstrauisch machen sollte auch, wenn alles "auf Lager" ist, was überall sonst vergriffen ist.
Das wichtigste technische Warnsignal: viele Fake-Shops zeigen auf der Startseite eine breite Palette an Zahlarten (PayPal, Kreditkarte, Rechnung), aber im letzten Bestellschritt ist plötzlich nur noch Vorkasse per Überweisung möglich, gern auf ein ausländisches Konto mit fremder IBAN oder auf einen Kontoinhaber, der nicht zum Shop passt. Brechen Sie in diesem Fall ab. Wählen Sie in unbekannten Shops generell Zahlarten mit Käuferschutz oder Kauf auf Rechnung, niemals Vorkasse, Sofortüberweisung an Unbekannte oder gar Gutscheinkarten und Kryptowährung.
Fake-Shops schmücken sich mit kopierten Siegeln. Der Test ist einfach: ein echtes Trusted-Shops-Siegel (und ähnliche Siegel wie EHI) ist anklickbar und führt zu einem Gültigkeitszertifikat auf der Website des Siegelbetreibers, auf dem genau dieser Shop genannt ist. Ein Siegel, das nur ein Bild ist, beweist nichts. Auch Bewertungen direkt im Shop sind kein Beleg, sie lassen sich frei erfinden. Suchen Sie stattdessen extern nach dem Shopnamen zusammen mit Begriffen wie "Erfahrungen" oder "Betrug".
Die Verbraucherzentrale betreibt unter verbraucherzentrale.de/fakeshop-finder ein kostenloses Prüfwerkzeug: URL einfügen, und das Tool gleicht die Adresse mit bekannten Fake-Shop-Listen ab und prüft technische Merkmale der Website. Ein grünes Ergebnis ist keine Garantie, ein rotes Ergebnis ist ein klares Stoppsignal. In Österreich führt die Watchlist Internet eine laufend aktualisierte Liste betrügerischer Shops, in der Schweiz informiert cybercrimepolice.ch der Kantonspolizei Zürich.
Geschwindigkeit zählt, besonders bei Überweisungen:
Ändern Sie außerdem sofort Ihr Passwort, wenn Sie im Fake-Shop ein Kundenkonto mit einem Passwort angelegt haben, das Sie auch anderswo nutzen.
Ich habe bestellt, aber noch nicht bezahlt. Muss ich zahlen? Zahlen Sie nicht. Bei einem betrügerischen Shop besteht kein schutzwürdiger Anspruch, und Mahnungen von Fake-Shops sind Teil der Masche.
Die Ware kam, ist aber Ramsch oder Fälschung. Und nun? Dann greifen Widerrufsrecht (bei Händlern mit Sitz in der EU) und Gewährleistung. Bei Fälschungen dokumentieren Sie den Zustand und schalten Ihre Bank und gegebenenfalls die Polizei ein.
Bekomme ich mein Geld nach einer Überweisung zurück? Realistisch nur, wenn die Bank die Zahlung noch stoppen kann oder das Empfängerkonto eingefroren wird. Genau deshalb gilt: bei unbekannten Shops niemals Vorkasse.
Wir sind eine unabhängige Bürgerinitiative und informieren allgemein. Dieser Text ist keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit oder Unsicherheit wenden Sie sich an Ihre Verbraucherzentrale oder an eine Anwältin oder einen Anwalt.