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Phishing & Datenklau

Phishing erkennen: so entlarven Sie gefälschte Mails und SMS

Gefälschte Nachrichten von Bank, Paketdienst oder Streaming-Anbieter erkennen Sie an wiederkehrenden Mustern. So prüfen Sie Absender und Links, und so reagieren Sie richtig nach einem Klick.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Die redaktionelle Prüfung durch einen Fachanwalt steht noch aus.

"Ihr Konto wurde vorübergehend gesperrt", "Ihr Paket wartet, bitte Zollgebühr von 1,99 € zahlen", "Ihre Zahlungsmethode ist abgelaufen": Phishing-Nachrichten setzen auf Schreck und Zeitdruck. Ziel ist immer dasselbe, nämlich Ihre Zugangsdaten, Kartendaten oder TANs. Die Fälschungen sind sprachlich längst nicht mehr holprig; auch fehlerfreie, perfekt gestaltete Mails können Phishing sein. Zum Glück verraten sich fast alle Angriffe an denselben Stellen.

Die Kurzantwort

Phishing erkennen Sie weniger am Design als an drei Prüfpunkten: erstens die echte Absenderadresse (nicht der Anzeigename), zweitens das tatsächliche Link-Ziel (vor dem Klick anzeigen lassen), drittens der Inhalt: Zeitdruck plus Aufforderung, Daten einzugeben oder etwas zu "verifizieren". Merken Sie sich eine einzige Regel: keine Bank, keine Sparkasse und kein seriöser Zahlungsdienst fragt Sie jemals per Mail, SMS oder Telefon nach PIN, TAN oder Passwort. Haben Sie doch geklickt und Daten eingegeben: Passwörter sofort ändern, Bank informieren, Karten über den Sperr-Notruf 116 116 sperren lassen und den Fall dem Phishing-Radar der Verbraucherzentrale melden.

Die typischen Maschen

  • Bank und Sparkasse: angebliche Kontosperrung, "neue AGB bestätigen", "Ihr TAN-Verfahren läuft ab", ein angeblich notwendiger "Datenabgleich". Der Link führt auf eine nachgebaute Login-Seite.
  • Paketdienst: eine SMS oder Mail von "DHL", "Hermes" oder "der Zustellung", ein Paket könne nicht geliefert werden, es sei eine kleine Gebühr fällig. Die Mini-Beträge dienen nur dazu, Ihre Kartendaten abzugreifen.
  • Streaming und Online-Konten: "Ihre Zahlungsmethode wurde abgelehnt", "Ihr Konto wird in 48 Stunden gelöscht". Beliebt bei Netflix-, Disney-, Amazon- und PayPal-Imitaten.
  • Behörden und Ämter: gefälschte Steuererstattungen vom "Finanzamt" oder "Elster", angebliche Bußgelder.
  • Messenger-Trick ("Hallo Mama"): eine unbekannte Nummer gibt sich als Kind in Not aus und bittet um eine dringende Überweisung.

Allen gemeinsam: es gibt einen dringenden Grund, sofort zu klicken, zu zahlen oder Daten einzugeben, und es wird mit Konsequenzen gedroht (Sperrung, Löschung, Gebühren, Strafverfahren).

Prüfpunkt 1: die echte Absenderadresse

Der angezeigte Name ist frei wählbar und beweist nichts. Entscheidend ist die dahinterliegende Adresse. Tippen oder klicken Sie auf den Absendernamen, um sie vollständig anzuzeigen. "Sparkasse" als Name mit einer Adresse wie service@sparkasse-sicherheit-24.com oder einer wilden Zeichenkette bei einem Freemail-Dienst ist ein klarer Fall. Achten Sie auf kleine Abweichungen: zusätzliche Wörter (paypal-kundenservice.net), Buchstabendreher, fremde Endungen. Vorsicht: auch eine scheinbar korrekte Absenderadresse kann technisch gefälscht sein. Die Absenderprüfung entlarvt viele Fälschungen, eine echte Garantie ist sie nicht. Deshalb zählt vor allem Prüfpunkt 2.

Prüfpunkt 2: das wahre Link-Ziel

Fahren Sie am Computer mit der Maus über den Link, ohne zu klicken: das echte Ziel erscheint unten in der Statusleiste. Am Smartphone halten Sie den Link lange gedrückt, bis eine Vorschau der URL erscheint. Entscheidend ist der Teil unmittelbar vor der ersten einzelnen Endung: bei sparkasse.de.sicherheit-check.com landen Sie nicht bei der Sparkasse, sondern bei sicherheit-check.com. Kurz-URLs und QR-Codes verschleiern das Ziel zusätzlich; QR-Codes in Mails oder auf aufgeklebten Zetteln (Parkautomaten, Ladesäulen) sind ein eigenes Einfallstor ("Quishing").

Die sicherste Gewohnheit: klicken Sie Links aus Mails und SMS zu Konten und Zahlungen grundsätzlich nicht an. Öffnen Sie die App oder tippen Sie die Adresse Ihrer Bank oder des Anbieters selbst in den Browser. Gibt es wirklich ein Problem, sehen Sie es nach dem normalen Login.

Prüfpunkt 3: was verlangt wird

Seriöse Anbieter fordern Sie nie per Mail oder SMS auf, PIN, TAN, Passwörter oder vollständige Kartendaten einzugeben, "Sicherheits-Apps" von außerhalb der offiziellen Stores zu installieren oder eine Fernwartungssoftware zu starten. Auch am Telefon gilt: legen Sie auf, wenn ein angeblicher Bankmitarbeiter TANs "zur Stornierung einer Buchung" braucht. Genau so werden Echtzeitüberweisungen freigegeben. Rufen Sie im Zweifel selbst bei der Ihnen bekannten Nummer Ihrer Bank an, nie bei der Nummer aus der Nachricht.

Nach dem Klick: Schadensbegrenzung in der richtigen Reihenfolge

Ein Klick allein ist selten die Katastrophe. Kritisch wird es, wenn Sie Daten eingegeben oder etwas installiert haben.

  1. Daten eingegeben? Ändern Sie sofort das Passwort des betroffenen Kontos und überall dort, wo Sie dasselbe Passwort nutzen. Aktivieren Sie Zwei-Faktor-Authentisierung.
  2. Bankdaten oder Kartendaten betroffen? Informieren Sie unverzüglich Ihre Bank und lassen Sie Karten und Online-Banking sperren: zentraler Sperr-Notruf 116 116, rund um die Uhr, aus dem Ausland +49 116 116. Prüfen Sie die Umsätze der letzten Tage und widersprechen Sie nicht autorisierten Buchungen; bei nicht autorisierten Zahlungen muss die Bank grundsätzlich erstatten (§ 675u BGB), außer bei grober Fahrlässigkeit, worüber im Einzelfall gestritten wird.
  3. Etwas installiert? Gerät in den Flugmodus, nichts Sensibles mehr darauf erledigen, mit aktueller Schutzsoftware prüfen oder zurücksetzen lassen.
  4. Anzeige erstatten: online über die Onlinewache der Polizei Ihres Bundeslandes. Das ist für Erstattungsfragen mit der Bank hilfreich.
  5. Melden: leiten Sie die Phishing-Mail an phishing@verbraucherzentrale.nrw weiter; das Phishing-Radar der Verbraucherzentrale wertet die Meldungen aus und warnt öffentlich vor aktuellen Wellen. Danach löschen Sie die Mail.

Kurz für Österreich und die Schweiz

Die Maschen sind identisch. In Österreich warnt die Watchlist Internet laufend vor aktuellen Phishing-Wellen; Meldungen nimmt auch die Meldestelle des BKA (via Onlineanzeige) entgegen. In der Schweiz können Sie verdächtige Nachrichten dem Bundesamt für Cybersicherheit unter antiphishing.ch melden; bei Kartenmissbrauch gilt wie überall: sofort die eigene Bank kontaktieren und Karten sperren lassen.

Häufige Fragen

Ich habe nur geklickt, aber nichts eingegeben. Bin ich sicher? Meist ja. Beobachten Sie trotzdem Ihre Konten und ändern Sie sicherheitshalber das Passwort des betroffenen Dienstes, vor allem am Smartphone, wenn Sie danach etwas heruntergeladen haben.

Woran erkenne ich eine gefälschte SMS vom Paketdienst? Echte Paketdienste kassieren keine Zollgebühren per SMS-Link. Prüfen Sie Sendungen nur in der offiziellen App oder direkt auf der Website des Dienstes.

Erstattet die Bank abgebuchtes Geld? Bei nicht autorisierten Zahlungen grundsätzlich ja (§ 675u BGB). Die Bank kann bei grob fahrlässigem Verhalten kürzen oder verweigern, etwa bei selbst freigegebenen TANs. Dokumentieren Sie den Hergang genau und lassen Sie sich beraten.

Wichtiger Hinweis

Wir sind eine unabhängige Bürgerinitiative und informieren allgemein. Dieser Text ist keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit oder Unsicherheit wenden Sie sich an Ihre Verbraucherzentrale oder an eine Anwältin oder einen Anwalt.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  • Verbraucherzentrale: Phishing-Radar, aktuelle Warnungen (verbraucherzentrale.de/phishing-radar)
  • BSI: Wie erkenne ich Phishing in E-Mails und auf Webseiten? (bsi.bund.de)
  • Sperr-Notruf 116 116 (sperr-notruf.de)
  • polizei-beratung.de: Phishing
  • Watchlist Internet (watchlist-internet.at), antiphishing.ch (NCSC Schweiz)