Was Ihnen ohnehin zusteht, woran Sie Unternehmen erkennen, die mehr tun als das Gesetz verlangt, und warum ein Siegel allein wenig beweist.
Viele Unternehmen werben mit Fairness, Transparenz und Kundennähe. Ob das stimmt, merken Sie oft erst, wenn etwas schiefgeht: bei der Kündigung, beim Widerruf oder bei einer Mahnung. Gut zu wissen ist deshalb zweierlei. Erstens, was ein Unternehmen ohnehin tun muss, denn das ist keine Leistung, sondern Pflicht. Zweitens, woran Sie Anbieter erkennen, die darüber hinausgehen.
Fair ist ein Anbieter nicht schon deshalb, weil er das Gesetz einhält. Fair ist er, wenn er es Ihnen leicht macht, Ihre Rechte zu nutzen: Preise, die am Ende stimmen, eine Kündigung mit wenigen Klicks, eine Erstattung ohne Nachhaken und ein Kundenservice, der antwortet. Die acht Merkmale unten zeigen jeweils, was Pflicht ist und woran Sie Unternehmen erkennen, die mehr tun. Und ein Tipp vorab: Wirbt ein Unternehmen mit etwas, das ohnehin Pflicht ist, als wäre es eine Besonderheit, ist das kein gutes Zeichen, sondern sogar unzulässig.
Das ist Pflicht: Gegenüber Verbrauchern muss der Gesamtpreis inklusive Umsatzsteuer angegeben werden (§ 3 Preisangabenverordnung), bei Waren nach Gewicht oder Volumen auch der Grundpreis, etwa pro Kilogramm (§ 4). Wer mit einer Preissenkung wirbt, muss sich auf den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage beziehen (§ 11).
Daran erkennen Sie faire Anbieter: Der Preis auf der Produktseite ist der Preis an der Kasse. Versandkosten stehen gleich daneben, nicht erst im letzten Schritt. Es gibt keine vorab angekreuzten Zusatzleistungen und keine Gebühr für die gängigen Zahlarten.
Warnsignal: Der Endpreis wächst mit jedem Klick, oder ein Streichpreis nennt einen Betrag, den es nie wirklich gab.
Das ist Pflicht: Wer online einen Vertrag mit laufenden Zahlungen abschließen kann, muss seit Juli 2022 einen gut sichtbaren Kündigungsbutton anbieten (§ 312k BGB). Verlängert sich ein Vertrag nach der Mindestlaufzeit automatisch, können Sie ihn danach jederzeit mit einer Frist von einem Monat kündigen (§ 309 Nr. 9 BGB, für Verträge ab März 2022).
Daran erkennen Sie faire Anbieter: Die Kündigung wird sofort per E-Mail bestätigt, mit dem Datum, zu dem sie wirkt. Es gibt keine Warteschleife, keinen Rückgewinnungsanruf und keine Kündigung nur per Brief.
Warnsignal: Der Kündigungsbutton ist versteckt, führt ins Leere oder verlangt Angaben, die für die Kündigung nicht nötig sind. Mehr dazu im Ratgeber Abofallen erkennen und kündigen.
Das ist Pflicht: Erfundene Knappheit ("nur noch heute", obwohl das nicht stimmt) ist verboten, ebenso gefälschte oder gekaufte Bewertungen und als Information getarnte Werbung (Anhang zu § 3 Abs. 3 UWG, Nr. 7, 11, 23b und 23c).
Daran erkennen Sie faire Anbieter: Sie zeigen auch kritische Bewertungen und erklären, wie sie Bewertungen prüfen. Ein Countdown läuft tatsächlich ab, und danach ist das Angebot wirklich vorbei.
Warnsignal: Ausschließlich Fünf-Sterne-Bewertungen mit fast gleichem Wortlaut oder ein Timer, der nach dem Neuladen wieder von vorn beginnt.
Das ist Pflicht: Bei Online-Käufen haben Sie in der Regel 14 Tage Widerrufsrecht (§ 355 BGB). Nach dem Widerruf muss der Händler binnen 14 Tagen erstatten, auf demselben Zahlungsweg, er darf aber warten, bis die Ware zurück ist oder Sie den Versand nachweisen (§ 357 BGB). Für Mängel haften Händler in der Regel zwei Jahre (§ 438 BGB).
Daran erkennen Sie faire Anbieter: Freiwillige Extras, die über das Gesetz hinausgehen: 30 statt 14 Tage Rückgabe, ein kostenloses Rücksendeetikett oder eine Erstattung schon beim Einscannen des Pakets.
Warnsignal: Ein Shop wirbt mit "14 Tage Rückgaberecht" als besonderem Service. Das ist Pflicht, und es als Besonderheit darzustellen ist unzulässig (Anhang zu § 3 Abs. 3 UWG, Nr. 10). Mehr im Ratgeber Widerrufsrecht beim Online-Kauf.
Das ist Pflicht: Name, ladungsfähige Anschrift und eine E-Mail-Adresse gehören ins Impressum, bei Firmen auch Rechtsform, Vertretungsberechtigte und Registernummer (§ 5 DDG).
Daran erkennen Sie faire Anbieter: Es gibt einen Kontaktweg, auf dem ein Mensch antwortet, und eine Angabe, wie lange das dauert. Das Unternehmen nennt, ob es an einer Verbraucherschlichtung teilnimmt.
Warnsignal: Nur ein Kontaktformular ohne Eingangsbestätigung, eine Anschrift, unter der kein Unternehmen zu finden ist, oder gar kein Impressum. Wie Sie das prüfen, steht im Ratgeber Fake-Shops erkennen.
Das ist Pflicht: Ein Inkassounternehmen muss unter anderem klar angeben, für wen es handelt, worauf die Forderung beruht und wie sich Zinsen und Kosten zusammensetzen (§ 13a RDG). Inkassokosten sind gesetzlich begrenzt.
Daran erkennen Sie faire Anbieter: Vor dem Inkasso kommt eine freundliche Zahlungserinnerung. Auf einen begründeten Widerspruch folgt eine Antwort mit Belegen, keine nächste Mahnstufe. Ratenzahlung wird angeboten, bevor Kosten auflaufen.
Warnsignal: Drohungen mit SCHUFA, Pfändung oder Gericht schon im ersten Schreiben, Kosten ohne Aufschlüsselung oder Forderungen, die Sie nicht zuordnen können. Unser kostenloser Inkasso-Check zeigt in wenigen Minuten, ob ein Schreiben Warnsignale enthält.
Das ist Pflicht: Sie müssen verständlich erfahren, welche Daten wozu verarbeitet werden (Art. 13 DSGVO). Eine Einwilligung können Sie jederzeit widerrufen, und das muss so einfach sein wie das Erteilen (Art. 7 Abs. 3 DSGVO).
Daran erkennen Sie faire Anbieter: Das Cookie-Banner hat einen gleich großen Button zum Ablehnen. Für eine Bestellung wird kein Kundenkonto erzwungen, und der Newsletter ist nicht vorab angekreuzt.
Warnsignal: Ablehnen ist versteckt oder nur über mehrere Unterseiten möglich, oder Sie erhalten Werbung, der Sie nie zugestimmt haben.
Das ist Pflicht: Unternehmen mit Website oder AGB müssen angeben, ob sie an einer Verbraucherschlichtung teilnehmen; ausgenommen sind Firmen mit höchstens zehn Beschäftigten (§ 36 VSBG). Eine allgemeine Pflicht, Beschwerden innerhalb einer bestimmten Frist zu beantworten, gibt es nicht.
Daran erkennen Sie faire Anbieter: Sie bestätigen eine Beschwerde sofort, nennen eine Frist für die Antwort und halten sie ein. Sie bieten die Schlichtung selbst an, statt auf Zeit zu spielen.
Warnsignal: Jede Nachricht wird mit einem Textbaustein beantwortet, oder der Fall wird so lange hin und her gereicht, bis Sie aufgeben.
Ein Siegel ist nur so viel wert wie die Stelle, die es vergibt. Ein echtes Siegel ist anklickbar und führt zu einer Bestätigung auf der Website des Siegelbetreibers, die Prüfkriterien sind öffentlich, und geprüft hat eine unabhängige Stelle, nicht das Unternehmen selbst.
Ab dem 27. September 2026 gilt zusätzlich: Siegel, die ökologische oder soziale Eigenschaften hervorheben, etwa "nachhaltig" oder "fair produziert", dürfen nur noch verwendet werden, wenn sie auf einem Zertifizierungssystem mit unabhängiger Kontrolle beruhen oder von einer staatlichen Stelle stammen. Selbst ausgedachte Nachhaltigkeitssiegel sind dann verboten.
Verbraucherschützer.org vergibt selbst kein Siegel. Die acht Merkmale oben können Sie bei jedem Anbieter selbst prüfen.
Ein Shop wirbt mit "14 Tage Rückgaberecht". Ist das ein gutes Zeichen? Nein, das ist gesetzliche Pflicht bei fast allen Online-Käufen. Ein gutes Zeichen sind freiwillige Zusagen, die darüber hinausgehen, etwa 30 Tage Rückgabe oder kostenlose Rücksendung.
Woran erkenne ich ein echtes Gütesiegel? Es ist anklickbar, führt zu einer Bestätigung beim Siegelbetreiber, die Kriterien sind öffentlich einsehbar, und die Prüfung macht eine vom Unternehmen unabhängige Stelle.
Ein Unternehmen reagiert nicht auf meine Beschwerde. Was nun? Setzen Sie schriftlich eine Frist und bewahren Sie alles auf. Helfen können Ihre Verbraucherzentrale und, wenn das Unternehmen daran teilnimmt, eine Verbraucherschlichtungsstelle. Für Widersprüche und Kündigungen gibt es unseren kostenlosen Musterbrief-Generator.
Wir sind eine unabhängige Bürgerinitiative und informieren allgemein. Dieser Text ist keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit oder Unsicherheit wenden Sie sich an Ihre Verbraucherzentrale oder an eine Anwältin oder einen Anwalt.